23.+24. August 2025

SOMMERKINO 2025

Am 23. und 24. August 2025 findet wieder das legendäre Sommerkino auf dem Gut Bennigsen statt. Wir freuen uns wie immer auf Independent-Neuerscheinungen, kuriose Filmperlen und wüste Bildgewalt auf der Leinwand.

NO OTHER LAND

Gut Bennigsen lädt zu einem besonderen Kinoabend ein und zeigt die preisgekrönte Dokumentation NO OTHER LAND. Der Film erzählt die Geschichte von Basel Adra, einem jungen palästinensischen Aktivisten aus Masafer Yatta im südlichen Westjordanland, der seit seiner Kindheit den Kampf seiner Gemeinde gegen die Zwangsvertreibung dokumentiert. Über mehr als ein halbes Jahrzehnt begleitet er, wie Häuser zerstört, Familien vertrieben und ganze Dörfer ausradiert werden – und hält so einen der größten Akte von Zwangsumsiedlung im besetzten Westjordanland filmisch fest.

Dabei trifft Basel auf den israelischen Journalisten Yuval Abraham. Trotz ihrer ungleichen Lebensrealitäten – Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval in Freiheit – entsteht eine außergewöhnliche Allianz. Gemeinsam mit Rachel Szor und Hamdan Ballal haben sie diesen Film geschaffen: als Akt des kreativen Widerstands, als Aufruf zu Gleichheit und Gerechtigkeit.

NO OTHER LAND ist ein Dokumentarfilm, der in einer der dunkelsten Zeiten der Region entstanden ist und dennoch eine universelle Botschaft trägt: den Mut, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen und neue Formen des Zusammenlebens zu suchen. Der Film wurde weltweit auf Festivals gefeiert und mehrfach ausgezeichnet, darunter auf der Berlinale 2024, wo er sowohl den Preis für den besten Dokumentarfilm als auch den Panorama-Publikumspreis gewann.

Mit seiner eindringlichen Bildsprache und emotionalen Tiefe eröffnet NO OTHER LAND nicht nur Einblicke in eine bedrohte Lebenswelt, sondern stellt auch grundlegende Fragen nach Solidarität, Widerstand und Hoffnung.

MISERICORDIA – Ein makabres Dorf-Mysterium von Alain Guiraudie

Gut Bennigsen lädt ein zu einem außergewöhnlichen Kinoabend mit MISERICORDIA, der neuesten Arbeit des französischen Regisseurs Alain Guiraudie (Stranger by the Lake). Der Film wurde im Mai 2024 in der Cannes‑Première gezeigt und überzeugte Kritiker weltweit.

Handlung
Jérémie (Félix Kysyl) kehrt in sein entlegenes Heimatdorf in Südfrankreich zurück, um Abschied von seinem Mentor, dem Dorfbäcker, zu nehmen. Auf Einladung der Witwe Martine (Catherine Frot) bleibt er und stößt auf eine Atmosphäre, die von unausgesprochenen Sehnsüchten und latenter Gewalt heimgesucht wird. Zwischen ihm, Martines Sohn Vincent und dem rätselhaften Dorftpriester entspinnt sich ein Netz aus Verlangen, Schuld und moralischer Verdrehung – das schließlich in einem Mord gipfelt.

Stil & Thematik
Guiraudie verbindet Thriller-Elemente mit absurdem, oft groteskem Humor. Die ländliche Kulisse verstärkt den intensiven, fast beklemmenden Spannungsaufbau. Kamerafrau Claire Mathon schafft traumhafte, herbstliche Bilder, die zu einer eigenwilligen Ästhetik beitragen. Themen wie Begierde, moralische Ambivalenz und die Fassaden der Konvention stehen im Zentrum – verpackt in eine bitterböse Groteske, die durchaus auch zum Schmunzeln einlädt.

Rezeption & Auszeichnungen
Der Film erlangte internationale Anerkennung:

  • Louis‑Delluc‑Preis 2024 als bester französischer Film
  • Platz 1 bei „Cahiers du cinéma” 2024
  • Auszeichnung mit dem „Golden Spike” und Preis für bestes Drehbuch beim Festival Valladolid
  • Zahlreiche César-Nominierungen, darunter Bester Film, Beste Regie, Schauspiel und Kamera
  • Kritische Resonanz: Rotten Tomatoes 95–96 %, Metacritic-Skala 83 – „universelle Anerkennung”

Fazit
MISERICORDIA ist ein unkonventioneller wie stilbewusster Genre-Film – zugleich scharfsinnig, verstörend und überaus menschlich. Guiraudie schickt sein Publikum in eine Welt, in der das Ländliche zur Bühne existenzieller Fragen wird. Ein Film, der zum Nachdenken anregt – und nachhallt.